Cameron Stallones (Sun Araw) lässt den jamaikanischen Fischer Dayone aus Portmore über eine seiner typischen Psych-Dub-Skizzen toasten. Der Song ist gestern als A-Seite des gemeinsamen Projekts mit M. Geddes Gengras (Pocahaunted, Robedoor…) erschienen, das unter dem Namen Duppy Gun läuft. Im dazugehörigen Video gibt’s ein wenig Web 1.0/GIF/Desktop-Weirdness…
Pascal Hector (Foto vorne) gehört mit seinem seit 2003 existierenden Label und Mailorder Meudiademorte nicht nur zu den treibenden Kräften der lokalen D.I.Y.-Szene, sondern wird vor allem für sein Psych/Drone-Kollektiv Datashock auch weit über die hiesigen Grenzen hinaus geschätzt. Ihre aktuelle LP »Die Pyramiden von Gießen« brachte dem Kraut-Ensemble einmal mehr Lobeshymnen in Publikationen wie der Testcard oder dem britischen Wire Magazin ein. Auf Meudiademorte hat Hector unter anderem Platten, CD-Rs und vor allem Kassetten von Künstlern wie Thurston Moore, Sunburned Hand Of The Man, The Skull Defekts oder John Wiese veröfffentlich. Die Gestaltung der Tonträger erfolgt meist in liebevoller Handarbeit, bei der der Chef auch schon mal selbst Hand anlegt.
Wie viele Platten-Cover hast du für Meudiademorte selbst gestaltet?
Nach kurzem überfliegen der Diskografie sind es wohl so drei Viertel der Veröffentlichungen.
Kreierst du deine eigenen Artworks zu Veröffentlichungen jedes Mal neu, oder greifst du dabei auch auf ältere Arbeiten von dir zurück, wenn sie zur Musik passen?
Nein, jedes Cover wurde ausschließlich für die jeweilige Veröffentlichung angefertigt.
Wenn du eine neue Grafik/Zeichnung zu einer anstehenden Veröffentlichung anfertigst, wie gehst du dabei vor?
Ganz einfach: Ich höre mir die Platte an und lege mir dabei ein Konzept oder eine Idee zurecht. Dann wäge ich ab, ob das für mich umsetzbar ist oder ob ich die Arbeit lieber in Auftrag gebe. Oft setzt sich schon nach nur einmaligem Hören ein Bild im Kopf fest, wie das Artwork dazu auszusehen hat.
Wenn du das Artwork nicht selbst gestaltest, nach welchen Kriterienwählst du die Motive aus?
Ich höre mir die Aufnahmen erst mal an und überlege dabei, welche Art von Cover dazu passen könnte. Wenn ich merke, dass meine Vorstellung nicht selbst umsetzbar ist, wende ich mich zum Beispiel an Thomas Weirich und probiere ihm zu veranschaulichen, was mir vorschwebt. Das hat bisher eigentlich immer ziemlich gut funktioniert. Manchmal kommen auch die Bands selbst mit Cover-Entwürfen an, die wirklich hervorragend gepasst haben und dann eben auch verwendet wurden. Es kam allerdings auch schon mal vor, dass ich solche Vorschläge abgelehnt habe und es deswegen gar nicht erst zu einer Veröffentlichung kam. Andere Labels lehnen Bands wohl eher wegen ihren Aufnahmen ab, das ist bei mir aber noch nie vorgekommen… haha.
Was sind deine Lieblingsartworks aus dem Meudiademorte-Katalog?
Mir gefallen prinzipiell die Arbeiten besser, an denen ich nicht beteiligt war. Die Cover von Thomas Weirich sind immer gut, z.b die siebgedruckte Datashock/Aidan Baker/Leah Buckareff-LP oder das Steve Gunn-Cover von Wouter Vanhaelemeesch. Von den Sachen an denen ich beteiligt war, gefällt mir eigentlich die »Storm Skull Dub« von The Skull Defekts am besten…
Graveyards – Psalm Alarm (mddm18)
Shivers – Off (mddm15)
Davenport Family – At The Foot Of Zodiac Mountain (mddm22)
Cones – Use Your Illusion III (mddm39)
Datashock & Wether – “Untitled” Split (mddm19)
Mêlée – Violent Forms Of Laughter Pt. 1 (mddm30)
Shivers – Apple-Guru Where Are You? (mddm21)
Thurston Moore – Black Weeds / White Death (mddm26)
Und noch ein weiteres Video zur großartigen Peaking Lights »936«, die mittlerweile überall angekommen sein dürfte (Und mit der dieser Blog im Februar dieses Jahres eröffnet wurde…). Dank geht an auftouren.de für den Link, ansonsten fällt der tolle Clip hierzulande nämlich mal wieder der Gema-Zensur zum Opfer…
Andy Boay (Foto links) heißt mit bürgerlichem Namen Andy White und ist eine Hälfte des Kanadischen Weird-Pop Duos Tonstartssbandht, das er mit seinem Bruder Edwin White betreibt. Während die beiden im Duett über weite Strecken eine chaotische Garage-Punk-Variation mit jeder Menge Übersteuerung und Feedback darbieten, gibt sich Andy White auf Solopfaden weitaus experimentierfreudiger – wobei es den Tonstartssbandht daran sicherlich auch nicht mangelt… . Auf seiner neuen LP »Evil Masters« mutet der White-Bruder dann auch zeitweise wie eine Mischung aus Animal Collective zu Campfire Songs/Sung Tongs-Zeiten und Eric Copeland generell an, bei der zur Aufnahme lediglich ein VHS-Rekorder zur Verfügung stand. Das klingt nicht nur verdammt cool, sondern ist es auch tatsächlich.
Die Ankündigung der neuen Floating Points-EP machte ja schon im letzten Monat die große Runde – nun erscheint »Shadows« am 29. November auch auf Vinyl. Sam Shepherd profilierte sich mit nur wenigen Singles, größtenteils auf seinem eigenen Label Eglo Records veröffentlicht, bereits als große Hoffnung der jüngeren Bassmusik. »Shadows« erfordert dabei definitiv etwas mehr Geduld als das bisher veröffentlichte Material des 23-jährigen Londoners. Wird man jedoch einmal in die ausgedehnten und jazzigen Arrangements hinein gezogen, überzeugen die fünf fantastischen Titel umso mehr. Sam Shepherd ist und bleibt dabei ein Leisetreter, der es versteht mit minimalistischen Akkord-Figuren die maximale Wirkung aus seinen 2-Step/House-Hybriden zu kitzeln. Die musikalischen Skills des jungen Produzenten gab es ja ohnehin schon in einem eindrucksvollen YouTube-Clip zu einer Jamsession im heimischen Studio zu bestaunen. »Shadows« ist digital bereits in den gängigen Online-Shops zu haben und ab dem 29. November dann auch in physikalischer Form verfügbar.
Sieben Jahre lang prägte das aus Portland stammende Duo Yellow Swans maßgeblich die US-amerikanische Noise-Szene, veröffentlichte eine schier unüberschaubare Anzahl an Tonträgern und bot mit seinem eigenen Label JYRK auch noch außergewöhnlichen Künstlern wie Xiu Xiu, Grouper oder John Wiese eine Plattform. 2008 folgte dann die Trennung, man wolle sich unter anderem auf die Solo-Arbeiten konzentrieren. Mit ihrem letzten Release auf Type Records, »Going Places«, setzte sich das Duo jedoch noch eine opulentes Denkmal in Form eines umwerfenden Magnum Opus, das sicher noch lange seinesgleichen suchen wird. Nun ist mit Pete Swansons (Foto links) »Man With Potential« bereits das dritte Soloalbum seit der Trennung erschienen – wieder bei Type.
Im Gegensatz zu den extrem ausmodellierten Gitarren-Drones der Yellow Swans orientiert sich Swanson im Alleingang mehr denn je in Richtung Industrial-Techno und wird vom Boomkat-Mailorder folgerichtig in die Nähe des Prurient-Seitenprojektes Vatican Shadow gerückt. Tatsächlich klingt »Man With Potential« in seinen härteren Momenten, als wäre an einem Sonntag-Nachmittag die Function-One des Berghains während eines Sets von Luke Slater durchgebrannt. Swanson zeigte sich bereits bei den Yellow Swans für die elektronischeren Parts verantwortlich, während sein Kollege Gabriel Mindel Saloman eher für die gitarrenlastigeren Passagen sorgte. So begräbt Swanson eben statt ohrenbetäubender Feedbackschleifen seine ultra-verzerrten Synthesizer-Figuren unter Bergen von weißem Rauschen…
Während das Interesse an dem Emeralds-Gitarrist Mark McGuire in den letzten zwei Jahren rasant anstieg, dürfte sein Bandkollege Steve Hauschildt bisher vor allem in Fachkreisen verhandelt worden sein. Der Synthesizer-Spezialist des Drone/Ambient-Trios veröffentlichte unter seinem bürgerlichen Namen und dem Pseudonym Celestial Sprinkler diverse Tapes und CD-Rs. Mit seinem neuen Album »Tragedy & Geometry« dürfte Hauschildt nun endgültig aus dem Schatten seines großartigen Hauptprojektes treten. In den Grundzügen führt der Oszillatoren-Experte die kosmischen Klang-Schleifen der Emeralds einfach fort, entschlackt die extrem dicht geschichteten Klänge aber ein wenig und lässt die Synthesizer zur Abwechslung sogar auch mal von krautigen Drumloops antreiben (Siehe unten). Hauschildt selbst versteht sein neues Album als Auseinandersetzung mit dem Einfluss der modernen Informationstechnologie auf persönliche Beziehungen. Erscheinen wird das fantastische Album am 25. November bei Kranky.
Während der Name Tim DeLaughter eher wenigen etwas sagen wird, sollte es spätestens bei Tripping Daisy klingeln. Die in den Neunzigern gegründete Indie-Pop-Band aus Dallas konnte mit ihrem 1995 bei Island erschienenen Album » I Am an Elastic Firecracker« einen veritablen Erfolg landen. Vier Jahre später war die Bandgeschichte mit dem Drogentod des Gitarristen Wes Berggren allerdings schon wieder beendet und DeLaughter widmete sich mit seinem eigenen Label Good Records und der neuen Band The Polyphonic Spree anderen Projekten. Letzteres fand vor allem durch seine musikalische Präsenz in zahlreichen Filmen wie »Eternal Sunshine Of A Spotless Mind«, »Thumbsucker« oder auch »Die fabelhafte Welt der Amelié« öffentliches Gehör. Nachdem DeLaughter 2009 ein wenig solo herum experimentierte und die Skizzen mit den alten Kollegen ausformulierte, entstand das jüngste Projekt Preteen Zenith. Deren aktuelle Single »Breath« ist seit kurzem auf der Label-Seite zu erstehen und hier in Kombination mit einer fantastischen Collage des in Los Angeles ansässigen Videokünstlers Michael Allen zu sehen.
Neues von der gespenstischen Drone-Poetin Liz Harris alias Grouper: Im Rahmen der Abonnement-Serie von Social Music ist ab sofort die Kollabo-EP »Visitor« zu haben, für die sich Harris mit dem ebenfalls aus Portland stammenden Ilyas Ahmed zusammen getan hat. Den ersten, unbetitelten Song gibt es hier im Stream:
Eigentlich wäre es langsam an der Zeit für einen Amdiscs-Spezial-Podcast, so haben es aber immerhin Beggars In A New Land und die bereits vorgestellten Chrome Wings in’s Programm geschafft. Auch von Ersteren lässt sich das aktuelle Album an dieser Stelle umsonst herunterladen. Zum Podcast geht es hier entlang…
1. Beggars In A New Land – Secret Passage
2. Grimes – Oblivion
3. Small Black – Moon Killer
4. Maria Minerva – Gloria
5. Chrome Wings – New Lands
6. Sures – Poseidon
7. White Denim – No Real Reason
8. Raleigh Moncrief – I Just Saw (Baths Cover)