31.10.2011, Studio 672, Köln
Als Ernest Greene vor etwa drei Jahren damit begann, in dem alten Kinderzimmer seines Elternhauses sehnsüchtigen LoFi-Pop zu produzieren, hätte er sich das aktuelle Interesse an seiner Musik wohl kaum ausmalen können. Der Grund für den damaligen Müßiggang waren ausbleibende Jobangebote nach dem Studium – ein Problem, dass sich mittlerweile erübrigt haben dürfte. Sein Debütalbum »Within And Without« katapultierte ihn im Sommer endgültig aus den eingeschworenen Blog-Zirkeln der digitalen Early Adaptor und sollte den sympathischen Wuschelkopf am Abend des 31. Oktobers samt Band im Kölner Studio 627 stranden lassen.
Der intime Rahmen und das gediegene Ambiente des Kölner Clubs erwiesen sich bereits im vergangenen Juni bei den Junior Boys als der perfekte Platz für ausformulierten Synthpop mit melancholischer Note. Wobei Washed Out im Bandformat tatsächlich als eine von Slowdive und Peter Gabriel informierte Variante des Kanadischen Duos durchgehen könnten. Die anfänglichen, leicht verunsicherten Laptop-Auftritte gehören sichtbar der Vergangenheit an. Neben einem Schlagzeuger und Bassisten wird Greene auf der Bühne von zwei weiteren Kollegen flankiert, die das Klangbild mit Backing-Vocals, Percussion und Synthesizer-Einsatz auffächern. Im Bandkollektiv löst sich Washed Out fast völlig von den sonst so dominierenden Samples und Loops. Viele Titel des Abends muten so eher wie extrem gut umgesetzte Cover-Versionen der ursprünglichen Songs an, die sich häufig nur noch an den Gesangsharmonien identifizieren lassen. Nur in seltenen Fällen, wie etwa dem Opener des aktuellen Albums »Eyes Be Closed« werden mit Hilfe eines iPads die Original-Samples eingebaut.
Greene selbst gibt sich bei all dem überraschend aufgeweckt, feuert das Publikum zum mitsingen, tanzen und klatschen an und will generell so überhaupt nicht in das Bild des entrückten Shoegazers passen, das sich beim Hören seiner Musik unwillkürlich vor dem inneren Auge formiert. Selbst von gelegentlichem Feedback-Dröhnen lässt sich niemand aus der Ruhe bringen. Bevor die Zuschauer nach einer perfekt auf den Punkt gebrachten Show in den Halloween-Abend entlassen werden, gibt es als Zugabe noch die Cover-Version von Chris Isaaks »Wicked Game«. Schaurig gut.
Washed Out – Eyes Be Closed by Posh Magazine
Washed out – “Wicked Game (Chris Isaak Cover)” by Creeping Wave
