20. Dezember 2011 von Philip Fassing

Polysick

100% Silk, der fantastische Ableger von Amanda Browns Not Not Fun-Records, wurde bereits an dieser Stelle kurz vorgestellt. Nun stehen für das neue Jahr zwei gleich tolle Releases bei dem vielversprechenden Label an. Zunächst wird Polysick mit seiner Flow-EP den zweiten Beitrag zur Tape-Serie des Labels beitragen. Fast noch aufregender ist allerdings die Ankündigung, dass diverse Künstler des Labels die aktuelle Peaking Lights (936) remixen werden. Mit dabei sind unter anderem Ital und Innergaze. Das Ganze wird ab dem 16. Januar als 12” erhältlich sein.

POLYSICK – FLOW FM teaser from 100% Silk on Vimeo.

PEAKING LIGHTS – 936 REMIXED teaser from 100% Silk on Vimeo.

von diskurs

Panda Bear

Mit seinem im April erschienenen, vierten Soloalbum dürfte es Noah Lennox nicht gerade einfach gehabt haben. Die Messlatte schien dank des Vorgängers »Person Pitch« aus dem Jahr 2007 nur schwer erreichbar. Trotzdem gelang es dem Animal Collective-Mitglied Presse und Fans gleichermaßen zu überzeugen – und das ohne an seinem Magnum Opus gemessen zu werden. Mit dem Video zu »You Can Count On Me« gibt es zum Jahresabschluss dafür noch ein Videohighlight aus dem Hause Panda Bear. Für die Visualisierung der blubbernden Downtempo-Meditation zeigt sich nämlich einmal mehr Danny Perez verantwortlich, der sich bisher nicht nur für den Animal Collective-Film ODDSAC gehörig in’s Zeug legte, sondern auch großartige Künstler wie Black Dice, Kurt Vile oder zuletzt noch Ford & Lopatin mit psychedelisch mäandernden Bildern versorgte.

19. Dezember 2011 von Philip Fassing

Prince Rama

Prince Rama visualisieren nach ihrer farbenfrohen Clip-Montage zu »Golden Silence« einen weiteren Titel ihres aktuellen und äußerst empfehlenswerten Albums »Trust Now«. »Summer Of Love« wird dabei nicht minder psychedelisch bebildert, kommt jedoch mit einer etwas klareren Bildsprache daher. Mit dem am klassischen Exploitation-Look geschulten Clip wohnen wir merkwürdigen, mit allerlei religiöser Semiotik überfrachteten Ritualen bei. »Trust Now« ist am 11. November bei Paw Tracks erschienen.

15. Dezember 2011 von Philip Fassing

James Ferraro

James Ferraro scheint immer mehr darauf aus zu sein, sich selbst zu überrunden. Anders lassen sich die stetig kürzer werden Nostalgie-Zyklen seiner unzähligen Arbeiten kaum erklären. Sein im Oktober erschienenes Album »Far Side Virtual« nahm sich zunächst einer weiteren Rekodifizierung der Postmoderne an. Im Gegensatz zu Platten wie der letztjährigen »Night Dolls With Hairspray«, die sich zumindest noch als eine Art hypnagogischer Pastiche lesen ließ, irritierte »Far Side Virtual« mit einer seltsamen Gegenwärtigkeit. Es war nicht mehr die alternative, retrofuturistische Sicht aus einem vergangenen Jahrzehnt, sondern ein distanzierter und befremdlicher Blick von außen auf das Hier und Jetzt: Technologie-Fetisch, Globalisierung und Digitalisierung.

Kaum ist dieser Brocken von einem Konzept-Album verdaut, dreht Ferraro die Schraube schon wieder weiter und nimmt sich unter dem Alias Bebetunes den letzten großen Ausläufern der US-Amerikanischen »Black Music« an, die mit Künstlern wie Lil Wayne oder Drake eine prägende Rolle bei der popkulturellen Definition der späten Nullerjahre einnehmen dürfte. Ferraros Interpretationen haben freilich wieder etwas von einem Außerirdischen, der irgendwie versucht diese Phänomene zu replizieren.

Bebetunes – Inhale C-4 $$$$$$$$ by DummyMag

13. Dezember 2011 von Philip Fassing

shorelineis

Gerade zufällig bei den Kollegen von HEY drüber gestolpert und sehr angetan: Chillwave aus Dortmund, namentlich Shoreline Is. Bei genauerer Betrachtung dann auch einen Mitstreiter vom Auftouren-Magazin in den Reihen der Band entdecken können. Die deutschsprachige Blogosphäre ist halt auch nur ein Dorf. Jedenfalls klingt das Demo bereits sehr viel vielversprechend und wurde scheinbar bereits vom Visions Magazin zum »Demo des Monats« gekürt. Das Debütalbum soll im Frühjahr 2012 folgen. Der neue Song »Part Per Million« klingt dann auch noch nach einem ordentlich Schritt nach vorne. Fazit: Da wird man sicher noch von hören…

Parts per Million by Shoreline Is

von Philip Fassing

coughcool

Dan Svizeny aus Philadelphia veröffentlicht seit ca. 3 Jahren in Eigenregie produzierte Kassetten bei Labels wie Not Not Fun oder dem fantastischen Mirror Universe Tapes-Imprint. Als Cough Cool zelebriert der junge Solokünstler einen extrem verzerrten aber mindestens genauso eingängigen und lockeren LoFi-Pop. Die klangästhetische Dekonstruktion dient hier allerdings weniger als effektheischende Patina, sondern vielmehr als Akzentuierung der totalen Entschleunigung, die Svizeny mit seiner neuen LP mehr denn anzustreben scheint. »Lately« ist die große Slacker-Ode, totaler Müßiggang in Super-8 und lädt zum Abhängen vor der örtlichen Videothek ein…

Lately by Cough Cool

“Lately” by Cough Cool from Bathetic Records on Vimeo.

9. Dezember 2011 von Philip Fassing

Ty Segall

Der aus San Francisco stammende Ty Segall hat im vergangenen Juni sein fünftes Album »Goodbye Bread« veröffentlicht, auf dem sich der 23-jährige Songwriter erneut an allerlei Garage-Rock-Reminiszenzen mit psychedelischem Einschlag abarbeitete. Mit dem neuen Video zu »Where Your Head Goes« findet die spröde Downtempo-Nummer nun auch ihr optisches Gegenstück.

8. Dezember 2011 von Philip Fassing

Keyboard

Zum Jahresabschluss nun noch ein Spezial-Podcast, der weniger die Jahrescharts spiegeln soll, sondern noch einmal die besten Gratis-Downloads des auslaufenden Jahres kompiliert. Los geht’s mit etwas gitarrenlastigeren Stücken um dann gegen Mitte auf eine clublastigere Taktung umzusteigen. Alle Podcasts von 2011 findet ihr an dieser Stelle. Zum Best Of 2011-Mix geht es hier entlang

Tracklist:

1. Mark McGuire – Get Lost
2. Times New Viking – No Room To Live
3. Widowspeak – Harsh Realm
4. Wooden Shjips – Lazy Bones
5. No Joy – Hawaii
6. The Soft Moon – Tiny Spiders
7. Laurel Halo – Constant Index (Actress Violet Rmx)
8. Airbird – City Vs. Mountains
9. High Places – Year Off
10. Soft Metals – Psychic Driving
11. Sleep ∞ Over – Romantic Streams (Balam Acab Rmx)

6. Dezember 2011 von diskurs

Cover

1. Woods – Sun & Shade
Der Band um den Woodsist-Betreiber Jeremy Earl gelingt nach »Songs Of Shame« (2009) und »At Echo Lake« (2010) nun schon das dritte Jahr in Folge der große Wurf. »Sun & Shade« ist vielleicht sogar ihr bisher bestes Album und vereint  ausgewachsene Kraut-Jams mit super-melodiösen LoFi-Folk-Hymnen.

WOODS- Pushing Onlys by WOODSIST

2. Thee Oh Sees – Carrion Crawler/The Dream
Der aus San Francisco stammende John Dwyer bewies bereits in der Vergangenheit mit Projekten wie The Hospitals oder Coachwhips, dass er absolut wahnsinnig und hoch talentiert zugleich ist. Sein einstiges Soloprojekt Thee Oh Sees wächst mit der zweiten Platte weit über sich hinaus.

Thee Oh Sees – “The Dream” by rockedition

3. Rangers – Pan Am Stories
Hypnagogic-Pop war auch dieses Jahr wieder ein präsentes Thema – eine der besten Platten in dieser Kategorie kam sicherlich von Rangers alias Joe Knight. Psychedelisches Gegniedel mit Vignette und Patina oder einfach der Soundtrack zu den obskur illustrierten VHS-Kassetten vom Flohmarkt.

Rangers “Zombies (Day)” by alteredzones

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4. Datashock – Die Pyramiden von Gießen
Datashock “Kanal Telemedial Energieausgleich” (Dekorder 052) by Dekorder

5. Julian Lynch – Terra
Julian Lynch: “Back” by alteredzones

6. Skeletons – People
Skeletons – Tania Head (from “People”) by Crammed Discs

7. Ducktails – Ducktails III: Arcade Dynamics
ducktails – ducktails iii arcade dynamics (album preview) by experimedia

8. Young Prisms – Friends For Now
Young Prisms ‘Sugar’ by kaninerecords

9. Balam Acab – Wander/Wonder
Balam Acab: “Apart” by alteredzones

10. Sleep ∞ Over – Forever
Sleep ∞ Over – Stickers by Hippos In Tanks

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11. High Places – Original Colors
12. Chrome Wings – New Lands
13. Ford & Lopatin – Channel Pressure
14. Prurient – Bermuda Drain
15. Sun Araw – Ancient Spirits
16. Psychedelic Horseshit – Laced
17. Oneohtrix Point Never – Replica
18. Steve Hauschildt -  Tragedy & Geometry
19. Pete Swanson – Man With Potential
20. Peaking Lights – 936

5. Dezember 2011 von Philip Fassing

Ein ausrangierter Kino-Komplex, ein dreitägiges Konzert-Programm und jede Menge Filmklassiker. Innerhalb dieser Koordinaten ging am vergangenen Wochenende ein Festival über die Bühne, das in jeglicher Hinsicht »different« war – wie es schon der Untertitel der Veranstaltung andeutete.

2. – 4.12.2011, Köln, Alter Ufa-Filmpalast.

Ungewöhnlich war bereits der Austragungsort: Der 1931 erbaute, aber seit 2010 leerstehende UFA-Filmpalast am Kölner Hohenzollernring wusste mit seinem verblichenen Nachkriegs-Charme durchaus zu überzeugen. Das Filmhaus galt lange als Westdeutschlands größtes Kino und kann neben dem ausladenden Foyer mit 13 Sälen und bis zu 3000 Sitzplätzen aufwarten. Der Freitag Abend begann ganz im Zeichen der experimentellen Agenda und wurde von dem wahnwitzigen New Yorker Shitgaze-Popper Gary War im Foyer eröffnet. Die nicht minder experimentierfreudigen High Places durften wenig später schon den großen Kinosaal einweihen und stellten ihr aktuelles Album »Original Colors« auf der Bühne vor. Die Wandlung vom schrägen Folk-Pop zu clublastigeren Entwürfen (siehe Feature vom Oktober) geht dem Duo aus L.A. auch live gut von der Hand, hätte aber zu späterer Stunde doch etwas besser gepasst.  Nach soliden Darbietungen von Jochen Distelmeyer, Roedelius/Schneider und Jaques Palminger mit dem Due Nutti Soundsystem konnte John Maus im Foyer einen würdigen Abschlussakzent für die Nacht setzen und gab dem Publikum nach langen Sitz-Partien endlich die Möglichkeit, sich noch einmal richtig auszutoben.

Wem die Stimmung am ersten Tag aufgrund der großzügigen Bestuhlung sonst noch etwas zu kontemplativ war, der könnte spätestens am zweiten Tag sehr dankbar für die Sitzgelegenheiten gewesen sein – konnte man so doch auf die bequemste Art und Weise die Wunden vom Vortag auskurieren. Aufstehen brauchte man bei dem hochkarätigen Programm des zweiten Tages ohnehin nicht. Nach dem fantastischen Art-Rock Duo Buke And Gass betraten Family Fodder zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder die Bühne und interpretierten mit wunderbar obskurem Instrumentarium Songs von Erik Satie und Franz Schubert neu. Wem das noch nicht schrullig genug war, der dürfte spätestens mit dem Lo-Fi- und Homerecording-Pionier R. Stevie Moore (Foto) bedient gewesen sein. Der exzentrische Songwriter lieferte eine höchst unterhaltsame Show ab, wälzte sich auf dem Boden, rupfte sich den halben Bart aus, trank viel Wein aus der Flasche und trug dabei die wohl coolste Hose der Welt. Nach viel Gelächter verabschiedete sich Moore mit dem Stinkefinger und schallenden »Swag!!«-Rufen. Großartig. Für das visuelle Highlight sorgten wenig später The Stepkids, die nicht nur selbst komplett in weiß gekleidet waren, sondern auch Schlagzeug, Verstärkertürme und anderes Equipment in Bettlaken hüllten, um als Projektionsfläche einer wahnwitzigen Visual-Performance zu dienen. So wurden zu dem psychedelischen R’n’B-Rock abstrakte Muster, mäandernde Formen und weite Sternenhimmel auf Musiker und Bühne geworfen, die den Saal in eine höchst surreale Atmosphäre tauchten. Spätestens jetzt hielt die Zuschauer auch nicht mehr viel auf den Sitzen.

Nachdem der Sonntag Nachmittag mit großartigen Filmen wie »Zwei Glorreiche Halunken« oder »The Wizard Of Oz« verbracht werden durfte, stand mit Thurston Moore und Band noch einer der heißerwarteten Headliner des Festivals auf dem Programm. Wer in Anbetracht der aktuellen Platte »Demolished Thoughts« einen entspannten Ausklang des Wochenendes erwartete wurde glücklicherweise enttäuscht. Thurston Moore wird wohl immer der schelmenhafte Jungspund bleiben und hat auch nach über zwanzig Jahren noch sichtbar Spaß an minutenlangen Feedback-Orgien und äußerst kreativem Umgang mit der Gitarre. Die orchestrale Instrumentierung der neuen Songs wurde in der Live-Situation zwar etwas von den elektrisch verstärkten Akustik-Gitarren geschluckt, konnte aber dennoch in den richtigen Momenten für Nachdruck sorgen. Zum Schluss gab es gleich zweimal Standing Ovations. Für einen großartigen Auftritt – und für ein perfektes Festival.

Mitveranstalter Jörg Waschat gab zwar kurz zuvor noch zu Protokoll, sich nach den arbeitsreichen Vorbereitungen der letzten Wochen wie der (ungeölte) Zinnmann aus »The Wizard Of Oz« zu fühlen – dürfte schließlich aber mindestens so erleichtert gewesen sein wie Dorothy Gale nach dem Ableben der bösen Hexe des Westen.

WEEK-END FEST 2011 Trailer from WEEK-END on Vimeo.