15. Dezember 2011 von Philip Fassing

James Ferraro

James Ferraro scheint immer mehr darauf aus zu sein, sich selbst zu überrunden. Anders lassen sich die stetig kürzer werden Nostalgie-Zyklen seiner unzähligen Arbeiten kaum erklären. Sein im Oktober erschienenes Album »Far Side Virtual« nahm sich zunächst einer weiteren Rekodifizierung der Postmoderne an. Im Gegensatz zu Platten wie der letztjährigen »Night Dolls With Hairspray«, die sich zumindest noch als eine Art hypnagogischer Pastiche lesen ließ, irritierte »Far Side Virtual« mit einer seltsamen Gegenwärtigkeit. Es war nicht mehr die alternative, retrofuturistische Sicht aus einem vergangenen Jahrzehnt, sondern ein distanzierter und befremdlicher Blick von außen auf das Hier und Jetzt: Technologie-Fetisch, Globalisierung und Digitalisierung.

Kaum ist dieser Brocken von einem Konzept-Album verdaut, dreht Ferraro die Schraube schon wieder weiter und nimmt sich unter dem Alias Bebetunes den letzten großen Ausläufern der US-Amerikanischen »Black Music« an, die mit Künstlern wie Lil Wayne oder Drake eine prägende Rolle bei der popkulturellen Definition der späten Nullerjahre einnehmen dürfte. Ferraros Interpretationen haben freilich wieder etwas von einem Außerirdischen, der irgendwie versucht diese Phänomene zu replizieren.

Bebetunes – Inhale C-4 $$$$$$$$ by DummyMag