Musik und Essen – eine Kombination die mit Blick auf die zahlreichen Restaurants diverser Clubs längst keinen Gegensatz mehr darstellt, in publizistischer Form aber dennoch seltener zueinander findet. Nicht so bei Julien Love aus Brisbane, Australien. Auf dem Blog des DJs und Produzenten findet man neben grandiosen Disco-Edits und Podcasts auch Rezepte für exotische Gerichte wie Guyanese Pepper Pot, Cubano Black Beans oder Seekh Kebab. Komplettiert wird das Menü von angenehm obskuren Found Footage-Clips zu seinen Tracks, die man auf dem YouTube-Channel des »Kebabiman« findet. Seine Freizeit verbringt er angeblich mit Einhorn-Ausritten und der eigenen Wurstproduktion. Na dann: Guten Appetit!
»Eins, zwei drei vier!«: Die neue Single wird auf Deutsch angezählt, ansonsten hat sich bei den Crocodiles erstmal relativ wenig geändert. Lediglich der Label-Wechsel zu Souterrain Transmissions ist zu verzeichnen, wo auch am vierten Juni ein neues Album mit dem Titel »Endless Flowers« erscheinen wird. »Sunday (Psychic Conversation #9)« verspricht zumindest schon mal Altbewährtes auf hohem Level.
Crocodiles – Sunday (Psychic Conversation #9) by souterraintransmissions
Leyland Kirby alias The Caretaker verschenkt nach seinem Soundtrack für Grant Gees gleichnamigen W.G. Sebald-Film »Patience« ein komplettes Album mit Outtakes.
Der »Get Off The Coast«-Blog könnte dem ein oder anderen noch aus dem Altered Zones-Netzwerk in Erinnerung geblieben sein, welches zur Zeit im Inbegriff ist, sich unter dem Namen Ad Hoc neu zu organisieren. Unter dem Namen »Decoder« planen die Macher des Blogs nun ein Print-Magazin aus der Taufe zu heben. Die Druckkosten sollen dabei mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform Kickstarter gedeckt werden. Für das Projekt konnten bereits einige aktive Redakteure und Blogger wie Ric Leichtung von Altered Zones oder Henning Lahmann von No Fear Of Pop gewonnen werden. Decoder greift dabei das Selbstverständnis auf, mit dem immer mehr kleine Blogger als offenes Netzwerk die popkulturellen Nischen des Web 2.0 kuratieren. Unterstützen kann man das Projekt hier. Dort gibt es zum Start ein ausgewachsenes Mixtape, dessen Download sich auf jeden Fall lohnt…
Einst als Tochter des Noise-Labels Troubleman Unlimited ins Leben gerufen, hat sich das Imprint Italians Do It Better als eigenständige Institution für Dance-Pop mit analogem Sound emanzipiert. Mitbetreiber Johnny Jewel ist für drei zentrale Acts des Labels verantwortlich: Glass Candy, Chromatics und Desire. Mit »Themes For An Imaginary Film« ist nun sein erster Soundtrack erschienen.
Johnny Jewel ist etwas geknickt, als ich ihn gegen 14:00 Uhr amerikanischer Ostküsten-Zeit auf dem Mobiltelefon erreiche. Nach einer langen Nacht in seinem Montrealer Studio wollte der Workaholic eigentlich schon längst wieder in ebenjenem sitzen, doch die analoge Technik hat ihm mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht: Mit einem Ersatzteil für sein Equipment im Gepäck kurvt er nun durch Québec. »Ich habe bis in die frühen Morgenstunden am zweiten Teil unserer Label-Compilation ›After Dark‹ gearbeitet«, entschuldigt sich der hörbar übernächtigte Produzent, Designer und Labelbetreiber für die schwere Erreichbarkeit. Nun warte Ida No bereits im Studio, um die Arbeiten für das neue Glass-Candy-Album abzuschließen. Seit Jewel vor drei Jahren von Portland nach Montreal gezogen ist, erfordern seine zahlreichen Projekte deutlich mehr Logistik als zuvor. Heimweh verspürt er erstaunlicherweise weniger nach Portland als vielmehr nach Texas: »Ich bin in Texas aufgewachsen und mag die Gegend wirklich sehr. Aber ich könnte dort nicht mehr leben, das wäre emotional sehr schwierig für mich. Eigentlich fühle ich mich heimatlos. Von daher ist es auch relativ egal, wo ich lebe«, gesteht er etwas melancholisch.[ad]Dennoch weiß der Multiinstrumentalist die kulturellen Vorzüge von Kanadas zweitgrößter Stadt zu schätzen: Die Szene ist eng vernetzt und stützt sich. Die Produktivität der hektischen Arbeiterstadt Portland hat sich Jewel ohnehin aufrechterhalten – auch im vergleichsweise gelassenen Montreal.
So veröffentlichte er im Januar fast schon beiläufig ein zweistündiges Instrumental-Album mit dem Titel »Themes For An Imaginary Film«. Die zusammen mit dem Label-Kollegen Nat Walker aufgenommene Musik war teilweise für Nicolas Winding Refns aktuellen Film »Drive« vorgesehen gewesen, nachdem aber ein Großteil der Stücke auf Druck der Produzenten wieder aus dem Film geflogen war, beschloss Jewel kurzerhand, das Ganze in selektierter und bearbeiteter Form auf digitalem Wege zu veröffentlichen. »Als die visuelle Ebene wegfiel, war es wichtig, die Stücke farbiger und präsenter zu gestalten«, erläutert er das Umdisponieren und ergänzt: »Während meine sonstigen Projekte sehr poplastig und auf den Gesang ausgerichtet sind, erlaubte mir Symmetry erstmals, strukturelle Konventionen aufzubrechen und einen musikalischen Leerraum zu erkunden.« Dieses Vakuum füllte der Analog-Fetischist mit einem atmosphärisch pulsierenden Klangstrom, der zu gleichen Teilen Einflüsse aus John Carpenters virtuosen Synthesizer-Scores und aus der beunruhigenden Stimmung klassischer Giallo-Filme zieht. Als Symmetry kreieren Jewel und Walker fiebrig aufgeheizt klingende Synthesizer-Collagen, die sich am besten dort entfalten, wo sie entstanden sind: in den späten, aber rastlosen Stunden durchgearbeiteter Nächte.
Seit nunmehr zehn Jahren beglückt uns Jamie Stewart schon auf einem konstant hohen Level mit bittersüßem Avantgarde-Pop, verstörendem Nihilismus und persönlicher Katharsis. »Intensity this overwhelming makes you reevaluate your opinion on what emotions music has the right to explore« schrieb Pitchfork-Autor Christopher Dare vor zehn Jahren sehr treffend über das Debütalbum »Knife Play«. Am 6. März erscheint mit »Always« das neunte Studioalbum von Xiu Xiu, welches gleichzeitig auch das Debüt bei Polyvinyl Records ist und von Deerhoof-Drummer Greg Saunier produziert wurde, der auch einige Gesangs- und Schlagzeug-Spuren zur Platte beisteuerte. Der erste hörbare Track »Hi« überrascht mit einer Geradlinigkeit, die man von Stewart doch eher selten zu hören bekommt.
Wenn das mal keine guten Neuigkeiten sind: Die New Yorker Bubblegum-Noise-Punks von Black Dice veröffentlichen am 9. April ein neues Album. »Mr. Impossible« erscheint am 9. April bei Ribbon Music. Mit »Pigs« steht bereits ein erster Song zum Vorhören bereit:
Nach dem Kick-Off der Split-7“-Reihe von Bum Khun Cha Youth mit Quasi Zombie folgt nun der zweite Teil der Serie. Auf der A-Seite heißt es zu daddeligem Chiptune-Pop »Finger Weg vom Au Pair«, laut Label eine mütterliche Mahnung an Jens Friebe, die jedoch erfolgslos geblieben sein soll. Auf der B-Seite gesteht Friebe, dass er »(Not Born For) Plot Driven Porn« ist. Unterstützung am Mikrofon leistet Vera Kropf von Luise Pop. Auf 300 Stück limitiert und alleine schon wegen des tollen Artworks von Meike Wolff empfehlenswert. Kaufen.
1. Woods – Sun & Shade
Der Band um den Woodsist-Betreiber Jeremy Earl gelingt nach »Songs Of Shame« (2009) und »At Echo Lake« (2010) nun schon das dritte Jahr in Folge der große Wurf. »Sun & Shade« ist vielleicht sogar ihr bisher bestes Album und vereint ausgewachsene Kraut-Jams mit super-melodiösen LoFi-Folk-Hymnen.
WOODS- Pushing Onlys by WOODSIST
2. Thee Oh Sees – Carrion Crawler/The Dream
Der aus San Francisco stammende John Dwyer bewies bereits in der Vergangenheit mit Projekten wie The Hospitals oder Coachwhips, dass er absolut wahnsinnig und hoch talentiert zugleich ist. Sein einstiges Soloprojekt Thee Oh Sees wächst mit der zweiten Platte weit über sich hinaus.
Thee Oh Sees – “The Dream” by rockedition
3. Rangers – Pan Am Stories
Hypnagogic-Pop war auch dieses Jahr wieder ein präsentes Thema – eine der besten Platten in dieser Kategorie kam sicherlich von Rangers alias Joe Knight. Psychedelisches Gegniedel mit Vignette und Patina oder einfach der Soundtrack zu den obskur illustrierten VHS-Kassetten vom Flohmarkt.
Rangers “Zombies (Day)” by alteredzones
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4. Datashock – Die Pyramiden von Gießen
Datashock “Kanal Telemedial Energieausgleich” (Dekorder 052) by Dekorder
5. Julian Lynch – Terra
Julian Lynch: “Back” by alteredzones
6. Skeletons – People
Skeletons – Tania Head (from “People”) by Crammed Discs
7. Ducktails – Ducktails III: Arcade Dynamics
ducktails – ducktails iii arcade dynamics (album preview) by experimedia
8. Young Prisms – Friends For Now
Young Prisms ‘Sugar’ by kaninerecords
9. Balam Acab – Wander/Wonder
Balam Acab: “Apart” by alteredzones
10. Sleep ∞ Over – Forever
Sleep ∞ Over – Stickers by Hippos In Tanks
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11. High Places – Original Colors
12. Chrome Wings – New Lands
13. Ford & Lopatin – Channel Pressure
14. Prurient – Bermuda Drain
15. Sun Araw – Ancient Spirits
16. Psychedelic Horseshit – Laced
17. Oneohtrix Point Never – Replica
18. Steve Hauschildt - Tragedy & Geometry
19. Pete Swanson – Man With Potential
20. Peaking Lights – 936
Während Sean Kilfoyle’s im letzten Jahr noch mit Songwriterin, It-Girl und Chanel-Model Amalie Bruun das großartige Minks-Debüt »By The Hedge« beim New Yorker Label Captured Tracks veröffentlichte, ist die Band nach Bruuns Ausstieg zum Soloprojekt geschrumpft. Nun steht für Februar die zweite Platte an. Wir sprachen mit Kilfoyle über das auslaufende Jahr und das kommende Album.
Was hat 2011 für dich für Erkenntnisse gebracht?
Ich habe dieses Jahr begonnen, mein Leben ernsthaft umzukrempeln. In den letzten Jahren war ich ziemlich orientierungslos und fragte mich häufig, ob das immer so bleiben würde. Im Moment probiere ich einfach viele neue Sachen aus und wage mich mehr und mehr auf unerschlossenes Terrain.
Was ist dein persönlicher Masterplan für 2012?
Ich würde gerne einfach mal schauen, wohin es mich treibt. Je mehr man plant, desto enttäuschter ist man am Ende. Das ist einfach nicht die Art und Weise, wie ich mein Leben führen möchte.
Als eure erste Single bei Captured Tracks veröffentlicht wurde, gab es Minks ja eigentlich noch gar nicht. Hat dich das vorauseilende Vertrauen von Label-Betreiber Mike Sniper motiviert, weiterzumachen?
Nein, ich würde nicht sagen, dass Mikes Zuspruch mit meiner eigenen Motivation zu tun hatte. Ich habe schon immer Musik gemacht und würde das auch ohne Label im Rücken weiter betreiben. Wenn man etwas aus Leidenschaft macht, hält einen auch fehlende Ermunterung nicht davon ab, sich weiter reinzuhängen.
Hat sich die Besetzung mittlerweile etwas gefestigt, oder wechseln deine Mitstreiter immer noch so häufig?
Es wird auf jeden Fall langsam stabiler. Amalie Bruun ist mittlerweile nicht mehr dabei, ansonsten versuche ich, weniger bestimmend beim Songwriting zu sein, wobei ich sehr neugierig bin, wohin das führen wird. Eigentlich liegt mir das Prinzip einer klassischen Band überhaupt nicht, aber ich mache einfach zu gerne Musik mit Freunden. Ich muss da eine Art Kompromiss finden.
Was können wir vom für Februar angekündigten Album erwarten?
Das neue Album wird sehr anders ausfallen als unser Debütalbum »By The Hedge«. Kein kompletter Richtungswechsel, aber um einiges optimistischer und ausbalancierter. Weniger vernebelt und mehr auf den Punkt gebracht. Ich bin in einer viel besseren mentalen Verfassung, und diese Klarsicht war eine große Quelle der Inspiration für mich.
Ist die Band mittlerweile ein 9-to-5-Job für dich, oder läuft das mehr als Hobby nebenher?
Wenn man auf Tour ist, ist die Band nicht nur ein üblicher 8-Stunden-Job, sondern läuft eher auf 24 Stunden hinaus. Man sitzt ständig irgendwo herum und muss auf dieses und jenes warten: Soundcheck, Auftritt, Equipment verladen. Man ist sozusagen in dieser Langeweile gefangen; und wenn dann noch eine Bar in Reichweite ist, weiß man auch, warum Musiker nicht gerade der gesündeste Job ist.
Das Interview ist ursprünglich in Intro #198 Dezember/Januar erschienen.
Minks – “Funeral Song” from LANCE DRAKE on Vimeo.









