Einst als Tochter des Noise-Labels Troubleman Unlimited ins Leben gerufen, hat sich das Imprint Italians Do It Better als eigenständige Institution für Dance-Pop mit analogem Sound emanzipiert. Mitbetreiber Johnny Jewel ist für drei zentrale Acts des Labels verantwortlich: Glass Candy, Chromatics und Desire. Mit »Themes For An Imaginary Film« ist nun sein erster Soundtrack erschienen.
Johnny Jewel ist etwas geknickt, als ich ihn gegen 14:00 Uhr amerikanischer Ostküsten-Zeit auf dem Mobiltelefon erreiche. Nach einer langen Nacht in seinem Montrealer Studio wollte der Workaholic eigentlich schon längst wieder in ebenjenem sitzen, doch die analoge Technik hat ihm mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht: Mit einem Ersatzteil für sein Equipment im Gepäck kurvt er nun durch Québec. »Ich habe bis in die frühen Morgenstunden am zweiten Teil unserer Label-Compilation ›After Dark‹ gearbeitet«, entschuldigt sich der hörbar übernächtigte Produzent, Designer und Labelbetreiber für die schwere Erreichbarkeit. Nun warte Ida No bereits im Studio, um die Arbeiten für das neue Glass-Candy-Album abzuschließen. Seit Jewel vor drei Jahren von Portland nach Montreal gezogen ist, erfordern seine zahlreichen Projekte deutlich mehr Logistik als zuvor. Heimweh verspürt er erstaunlicherweise weniger nach Portland als vielmehr nach Texas: »Ich bin in Texas aufgewachsen und mag die Gegend wirklich sehr. Aber ich könnte dort nicht mehr leben, das wäre emotional sehr schwierig für mich. Eigentlich fühle ich mich heimatlos. Von daher ist es auch relativ egal, wo ich lebe«, gesteht er etwas melancholisch.[ad]Dennoch weiß der Multiinstrumentalist die kulturellen Vorzüge von Kanadas zweitgrößter Stadt zu schätzen: Die Szene ist eng vernetzt und stützt sich. Die Produktivität der hektischen Arbeiterstadt Portland hat sich Jewel ohnehin aufrechterhalten – auch im vergleichsweise gelassenen Montreal.
So veröffentlichte er im Januar fast schon beiläufig ein zweistündiges Instrumental-Album mit dem Titel »Themes For An Imaginary Film«. Die zusammen mit dem Label-Kollegen Nat Walker aufgenommene Musik war teilweise für Nicolas Winding Refns aktuellen Film »Drive« vorgesehen gewesen, nachdem aber ein Großteil der Stücke auf Druck der Produzenten wieder aus dem Film geflogen war, beschloss Jewel kurzerhand, das Ganze in selektierter und bearbeiteter Form auf digitalem Wege zu veröffentlichen. »Als die visuelle Ebene wegfiel, war es wichtig, die Stücke farbiger und präsenter zu gestalten«, erläutert er das Umdisponieren und ergänzt: »Während meine sonstigen Projekte sehr poplastig und auf den Gesang ausgerichtet sind, erlaubte mir Symmetry erstmals, strukturelle Konventionen aufzubrechen und einen musikalischen Leerraum zu erkunden.« Dieses Vakuum füllte der Analog-Fetischist mit einem atmosphärisch pulsierenden Klangstrom, der zu gleichen Teilen Einflüsse aus John Carpenters virtuosen Synthesizer-Scores und aus der beunruhigenden Stimmung klassischer Giallo-Filme zieht. Als Symmetry kreieren Jewel und Walker fiebrig aufgeheizt klingende Synthesizer-Collagen, die sich am besten dort entfalten, wo sie entstanden sind: in den späten, aber rastlosen Stunden durchgearbeiteter Nächte.


