2. März 2012 von Sebastian Witte

Joasihno kombinieren Melodien aus dem Reich unter der Bettdecke mit vertrackten Rhythmus-Figuren. 2011 erschien das Debütalbum »We Say: Oh Well«. Live wächst das Solo-Projekt des gelernten Schlagzeugers Cico Beck zum Duo an. Am Rande einer Support-Tour für Youth Lagoon sprach Sebastian Witte mit der Band.

Ihr seid zuletzt mit The Notwist auf Tour gewesen. Waren die Weilheimer für eure Musik schon vor der Tour ein Einfluss?
Cico: Vorher hab ich die nie gehört. Im Nachhinein bin ich aber sehr angetan von denen. Live sind sie echt der Knaller. Außerdem finde ich diese unaufgeregte Art, wie sie an Musik herangehen, toll. Denen geht es echt nur um die Musik und nicht um das Drumherum.
Nico: Ich war schon vorher Notwist-Fan und bin auch als Fan mitgefahren.

Euer Sound gleicht The Notwist manchmal schon ein wenig. Sind dir im Nachhinein Parallelen aufgefallen, Cico?
Cico: Gerade der Song »This Room« ist in seiner Expressivität sehr gut und zu vergleichen mit einem Joasihno-Stück wie »Secret Eye«. Prinzipiell haben wir Lust, mehr davon zu machen, was in so eine Richtung geht.

Ein großer Einfluss auf Joasihno ist eine Reise nach Afrika, die du gemacht hast.
Cico: Ja, ich mag seitdem diese afrikanischen Rhythmen. Da ist ja z.B. ein 5/4-Takt keine Seltenheit. Solche Sachen hört man auch oft bei Joasihno und ich verstehe immer mehr, wie diese Rhythmen funktionieren. Außerdem mag ich afrikanische Popmusik, die ja teilweise sehr ungewöhnlich klingt in unseren westlichen Ohren. Ich habe für die Platte außerdem ein paar afrikanische Trommeln benutzt, die ich von dort mitgebracht habe. Gerade spiele ich viel Tabla. Ich fahre bald nach Indien und hab mir schon vorgenommen, da einen Tabla-Kurs mitzumachen. Vielleicht ist das was für das nächste Album.

Cico, du hast das Projekt Joasihno allein gestartet und auch das Debütalbum allein aufgenommen. Jetzt spielst du schon seit 1 ½ Jahre zusammen mit Schlagzeuger Nico. Seht ihr euch jetzt als Band?
Cico: Ja schon. Ich möchte auch ein bisschen weg kommen davon, alles loopen zu wollen, was ich ja alleine mache bzw. gemacht habe. Obwohl ich dieses repetitive Element auch sehr mag. Ich hab aber schon das Gefühl, dass wir zu zweit gut zusammen spielen und eine Band sind.
Nico: Ich spiele auf dem Schlagzeug ja auch nicht eins zu eins Cicos programmierte Beats nach. Wir haben uns da zu zweit schon neue Sachen ausgedacht, die so nicht auf dem Album zu hören sind.

Wie waren denn überhaupt die Reaktionen nach dem Erscheinen deines Debütalbums?
Cico: Ich bin schon zufrieden mit den Reaktionen. Habe nicht viel erwartet im Voraus. Live kommen ja eh meistens die Leute nach dem Konzert, denen es auch gefallen hat. Von der Presse gab’s auch viel positives Feedback. Es gab nur einen Verriss.

Von wem?
Cico:  Die Vice mochte den Albumtitel nicht und die meinten, das wäre Jammermusik, die sich unter der Bettdecke versteckt. Das hat mich jetzt nicht so getroffen. Hätte es nur besser gefunden, wenn mir das so jemand wirklich ins Gesicht sagen kann. Dann hätte ich gern mit ihm drüber gesprochen und vielleicht auch ein paar Sachen erklären können.

Habt ihr schon angefangen, Lieder für ein zweites Album zu schreiben?
Cico: Ja, wir spielen einen neuen Song auch schon live. Wir möchten das neue Album live erarbeiten und testen. Außerdem habe ich mir viel Musik besorgt die ich grade höre. Z.B.  Moondog, Dustin Wong von Ponytail und Youth Lagoon, mit denen wir ein paar Konzerte spielen.
Nico: Die Youth Lagoon-Platte habe ich auch schon rauf und runter gehört. Bin gespannt auf die beiden. Sie spielen heute Abend ihr erstes Deutschland-Konzert.

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