Köln, King Georg, 08.05.2011
Foto: Philipp Jedicke
Ein Sonntagabend in Köln, nach dem bisher heißesten Tag des Jahres. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Gig. Aber der exzellente Ruf von Kurt Vile und seinen Violators lockt dann doch so viele Neugierige aus den Parks und von den Plätzen ins King Georg, dass man getrost von ausverkauft sprechen kann. Und schnell stellt sich heraus, dass die Entscheidung gegen das nächste Kioskbier und für den Mann aus Philly die richtige war: Vier sympathisch-verpeilte Zottel zelebrieren hier einen Tanz um den Totempfahl Rock, als wären Neil Young und Crazy Horse in sie gefahren. Drei Gitarren, kein Bass, aber ein Drummer, der sein Instrument mit Rassel, Händen, Paukenschlägel und Sticks bearbeitet, als wäre es sein letzter Auftritt vor dem Ritt in die ewigen Jagdgründe. Leider ist Viles Stimme im ersten Teil des Sets oft nur zu erahnen, doch das wabernde, stets nahtlos in sich greifende Spiel von ihm und seinen beiden Lead-Gitarristen wiegt die Lücken im Gesang auf.
Im Universum des Kurt Vile fehlen ohnehin die großen Hits, seine Songs leben von starken Momenten: Wenn sich die drei Gitarren gegenseitig hochschrauben, bis Jesse Trbovich in einem Wall of Sound seine Mähne schüttelt, oder Vile bei der Akustik-Ballade „Peeping Tomboy“ immer wieder die kurze Pause wirken lässt, bevor er erneut mit seinem filigranen Lick einsetzt, dann braucht es keine Faust in der Luft. Dann nickt die kreisrund versammelte Gemeinde im Takt, mit einem Lächeln im Gesicht. Entsprechend wird auf Showeinlagen verzichtet, Vile versteckt sich lieber hinter seiner Haarwand und lässt bis auf ein bübisches Grinsen und ein wiederholtes „You are beautiful! Both physically and spiritually!“ die Musik sprechen. Was hier stattfindet, ist die gelungene Kombination aus Cinemascope-Rock und Lo-Fi. Der perfekte Sound für den Sonntagabend eben.

